Wie man sich Ljubljana ein wenig Winterspeck anfuttert

Stillstand ist definitiv nicht meine Stärke. Was man in vielerlei Hinsicht deuten kann. Vorallem bedeutet es aber, dass ich nicht gerne daheimsitze. Relaxen war gestern, denn es zieht mich in die Welt hinaus, wo die Anzahl an Orten, die entdeckt werden wollen, unendlich scheint.
Was macht so jemand wie ich dann an einem sonnigen Herbstwochenende? Er setzt sich ins Auto und bricht auf zu neuen Zielen. Dieses hieß in diesem Fall Ljubljana und ist die Hauptstadt von Slowenien. Eine Stadt, die in puncto Städtereisen in Europa noch ein absoluter Geheimtipp ist und in der vorallem eines garantiert ist: Das satt werden. Satt werden an Eindrücken, Erlebnissen, schönen Momenten. Und natürlich auch das Satt werden im Magen.

Ein kleiner Appetizer

Wenn dir diese Stadt ein Begriff ist, dann wahrscheinlich nur von der Durchreise auf dem Weg nach Italien oder Kroatien. Was eigentlich schade ist, denn sie hat vieles zu bieten. Und das bei gerade einmal 280.000 Einwohnern. Großstadtflair, wie du ihn wahrscheinlich von anderen Hauptstädten gewöhnt bist,  gibt es hier nicht. Die besonders sehenswerte Altstadt ist vergleichsweise ebenso winzig. Aber das macht sie nicht weniger charmant. Dazu kann man Ljubljana als Universitätsstadt auch noch ein weiteres Attribut zusprechen: Sie ist jung geblieben. Und diese jungen Leute tummeln sich in der Altstadt in hippen Cafés und hübschen, sehr individuellen Läden. Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Sloweniens Hauptstadt ist das Wasser. Der Fluss Ljubljanica, welcher der Stadt auch ihren Namen gegeben hat, schlängelt sich durch das Zentrum und lässt einen Hauch von italienischem Flair in der Luft. Das große Ganze wird durch das  Fehlen des Abgasgeruches komplett. Die pittoreske City ist eine autofreie Zone. Nur das Rauschen des Wassers und die Stimmen der Passanten und Sitznachbarn stören dich, wenn du in einem Lokal an der Ljubljanica einen Kaffee genießt.
Bist du jetzt auf den Geschmack gekommen? Dann lass uns aufbrechen.

Anreise und Ankommen

Das slowenische Autobahnnetz ist überschaubar. Dafür aber nicht gerade billig. Die günstigste Version der Vignette ist sieben Tage lang gültig und kostet 15 Euro. Allerdings wirst du bei der Anreise nicht daran vorbeikommen die Autobahn zu benützen, denn die Alternativen sind  recht zeitaufwendig.
Je nachdem von wo du kommst, reist du über die E61 und das österreichische Villach oder über die E57 und Maribor an. Vignetten kannst du kurz vor der slowenischen Grenze in fast allen österreichischen Tankstellen erwerben.Von dort ist es dann auch nicht mehr weit bis zu deinem Ziel.

Dadurch, dass Ljubljana nicht sehr groß ist, bleiben einem auch Stress und Staus bei der Stadteinfahrt erspart. In der Innenstadt gibt es einige hübsche Appartments und Boutiquehotels (Unterkünfte findest du hier), wo du für eine Übernachtung einchecken kannst. Dazu kommen noch einige symphatische Jugendherbergen, je nachdem wie groß das Budget für den Trip ist. Mit den Angestellten an der Rezeption habe ich bis jetzt nur positive Erfahrungen gemacht. Sie sind sehr freundlich und ihr ist Englisch gut.

Eine kleine Erkundungstour

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Altstadt lassen sich fast allesamt bequem auf einem Spaziergang erkunden. Die Distanzen sind nicht groß und es gibt keine Autos, die dich beim Sightseeing stören werden. Das hört sich doch wunderbar an, nicht wahr?

Zu Besuch am Marktplatz

Von Osten kommend ist dein erstes Ziel der Marktplatz. Dieser Ort ist nicht nur ein traditionelle Einkaufsort, sondern auch ein Treffpunkt für die Stadtbewohner. An den Marktständen im Freien und in den angrenzenden Markthallen versorgt sich der Einheimische mit Obst, Gemüse, Käse und mehr. Und das täglich. Denn die Marktstände haben außer an Sonn- und Feiertagen täglich geöffnet. Normalerweise wochentags von 6 bis 18 Uhr und samstags bis 16 Uhr. Nur in den Wintermonaten verschiebt sich das Ende des Markttages täglich auf 16 Uhr vor.

Die Markthallen verfügen über zwei Etagen und sind entlang des Flusses Ljubljanica aufgereiht. Im Untergeschoss befindet sich ein sehenswerter Fischmarkt mit einem kleinen Restaurant und einer Kunstgalerie, während im oberen Stock Geschäfte mit slowenischen Produkten und Restaurants auf dich warten.
Bevor auch noch der Hunger von dir Besitz ergreift, verlässt du den Markt über die Zmajski Most (Drachenbrücke) in Richtung Westen.

Der Prešeren – Platz und die drei Brücken

Nach ein paar Metern gelangst du zum Prešeren – Platz, dem Hauptplatz Ljubljanas, welcher direkt am Fluss liegt. Als Zentrum der Stadt kommen hier alle Wege und Gassen zusammen oder führen, je nach Sichtweise, wieder sternförmig davon weg.  Der Platz entwickelte sich aus einer mittelalterlichen Kreuzung heraus und ist nach einem slowenischen Dichter benannt, der auch mit einem Denkmal auf dem Platz verewigt ist. Am Ende des Platzes sticht dir außerdem noch die lachsfarbene Franziskanerkirche ins Auge.

Um von diesem Platz aus wieder auf die andere Seite des Flusses zu gelangen, musst du das berühmteste Wahrzeichen der Stadt überqueren: Die Tromostovje (Die drei Brücken), die quasi parallel über den Fluss verlaufen und ein Werk des Architekten Joze Plecnik sind. Dieser war im 20. Jahrhundert maßgeblich an der Bildung des heutigen Stadtbildes beteiligt.
Die Brücken bilden nicht nur das schönste Fotomotiv, sondern auch den meist frequentierten Platz der Stadt, weshalb du auch etwas länger für einen guten Schnappschuss brauchst. Aber auch das ist irgendwann geschafft und du kannst deinen Spaziergang fortsetzen.

Flanieren und Shoppen

Das kannst du nirgendwo besser als entlang des Mestni trg, der etwa parallel zum Flussufer verläuft. Neben einigen bekannten Marken, sind hier haupsächlich kleine individuelle Läden vertreten. Dazwischen finden sich reichlich Cafés und Lokale. Ein Abstecher in diese Gasse ist wirklich Pflicht bei einem Besuch von Ljubljana. Außerdem kannst du von hier aus auch gleich den Aufstieg auf den Burgberg wagen.

Hoch über den Dächern der Stadt

Das bist du, nachdem du den etwa 15 – minütigen Aufstieg zum Ljubljanski Grad geschaffthast. Von dort genießt du einen wunderbaren Ausblick über die Stadt. Die Burg selbst ist im Inneren nicht sonderlich spektakulär und wehrhaft, aber die Mischung der alten Grundmauern mit modernen Bauelementen bietet eine gelungene Mischung. Nur an den kräftigen Wind, der dir dort oben in die Ohren pfeift, musst du dich wohl noch etwas gewöhnen (falls das überhaupt möglich ist).

In der Burg selbst kannst du mehrere historische Räume und Ausstellungen besichtigen. Zudem gibt es zwei Restaurants, ein Burgcafé und einen Nachtclub. Aber in diesen Genuss wirst du später noch kommen.

Weil dir der Abstieg über das rutschige Kopfsteinpflaster jetzt im Winter ein wenig riskant erscheint, nimmst du einfach die Standseilbahn, die dich bequem wieder hinunter zum Marktplatz, dem Ausgangspunkts deines Spazierganges, bringt.

Kulinarik: Was und Wo

Ein guter Grund um Ljubljana einen Besuch abzustatten, ist auf jeden Fall das Essen. Die slowenische Küche ist wirklich gut, auch wenn das nicht allerorts bekannt ist. Oder doch? Immerhin kommt die angeblich beste Köchin der Welt, Ana Roš, aus Slowenien.
In jedem Fall sind die kulinarischen Genüsse hier nicht nur sehr schmackhaft, sondern auch vergleichsweise günstig.

Wo ich was gegessen habe? Komm einfach mit.

Gibanica und Kremšnite

Richtig stilvoll deinen Nachmittagscafé einnehmen kannst du im Burgcafé im Ljubljanski Grad, wo du praktisch direkt nach dem Eintreten vor einer Glasvitrine voll mit den verführerischten Mehlspeisen stehst. Die scheinen dich fast direkt darum zu betteln, sie zu probieren. Aber wenn du schon einmal hier bist, greifst du am besten zu einer der regionalen Spezialitäten Gibanica und Kremšnite.

Die Gibanica ist ein slowenischer Kuchen, der aus so ziemlich allen gemacht ist, was in einer Süßspeise so drinnen sein kann. Das wären Strudelteig, Äpfel, Mohn, Nüsse, Topfen und Pflaumenmus aufeinandergehäuft. Klingt sehr sättigend? Ist es auch. Eine Portion Gibanica kannst du locker als eine ganze Mahlzeit werten. Da greifst du doch lieber zur Kremšnite (die man wirklich so schreibt), denn die schlägt sich doch mit ein weniger Kalorien zu Buche.

Slovenska Hiša

Dieses Lokal, welches sich direkt am Flussufer befindet, serviert wie der Name (Slovenska Hiša = slowenisches Haus) schon sagt, slowenische Spezialitäten und Gerichte. Der Gastraum ist überschaubar und wartet mit einem rustikalem Interior auf, das trotzdem irgendwie cool wirkt. Hier probierst du, nach der Empfehlung der Kellnerin, eine Platte mit slowenischen Käsespezialitäten. Und die sind  überaschend geschmacklich doch sehr weitgefächert. Farblich sticht besonders eine violette Sorte besonders hervor. Als Käseliebhaber sollte es dich aber nicht scheuen trotzdem zuzugreifen. Jeder Käse schmeckt anders aber alle schmecken gut. 

Gostilna na gradu

In der Burg am Gipfel des Burgberges wartet auch der Gipfel des Geschmackes auf dich. Am besten du nimmst das Taxi um zum Restaurant und wieder zurück in die City zu gelangen. Die Standseilbahn fährt nur bis 20 Uhr und die Taxis sind wirklich sehr günstig (für eine Fahrt vom Burgberg zu meiner Unterkunft habe ich etwa 2 Euro gezahlt).

Eine Reservierung im BurgrestaurantGostilna na gradu“ ist zwar nicht Pflicht, sollte aber meiner Meinung nach trotzdem getätigt werden, um böse Überraschungen vorzubeugen.
Das Lokal macht einen eleganten, aber nicht zu noblen, Eindruck und auch das Servicepersonal ist sehr zuvorkommend, wobei in gutem Englisch bedient wird. Du kannst zwischen Menü und a la carte wählen. Besonders die vier- oder fünfgängien Menüs wären hierzulande preislich nicht möglich. Für das kleinere Menü zahlst du etwa 30 Euro, für das größere etwa 45 Euro plus 25 Euro Weinbegleitung (wenn gewünscht). Die Portionen sind zwar angemessen, am Ende bist du trotzdem vorallem eines: Sehr satt! Und vielleicht auch ein wenig beschwipst von dem Wein. Da dankst du Gott dafür, dass du die Taxivariante gewählt hast.

Anmerkungen zum Schluss

Wenn du Ljubljana jetzt in der Weihnachtszeit besuchen willst, kommst du in den Genuss des schönen Adventmarktes. Dieser wartet, je nach Wochentag, auch mit verschiedensten besonderen Attraktionen auf. Mehr dazu findest du auf der offiziellen Tourismusseite der Stadt.

Das Wetter jetzt im Winter gleicht ziemlich dem im deutschsprachigen Raum, zudem ist es sehr windig. Also bitte warm einpacken.

Weitere Reiseberichte von mir findest du in den vorangegangenen Artikeln:

Viel Spaß beim Schmökern.

Deine Claudiabella <3

 

2 Antworten auf „Wie man sich Ljubljana ein wenig Winterspeck anfuttert“

  1. Wirklich sehr informativer und toller Beitrag! Ich selbst war auch vor kurzem in Ljubljana und war genauso begeistert vom Essen wie du 😀
    Ich habe auf meinem Blog auch eine Beitrag geschrieben – schau doch gerne vorbei – lisatravv.com -, es würde mich sehr freuen 🙂

    PS: tolle Bilder!!

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