Was bedeutet eigentlich „Bio“?

Fast ein Drittel der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase werden von der Landwirtschaft verursacht. Der hohe Energie- und Chemikalieneinsatz im Agrarbereich, die Rodung von Waldgebieten, der sinkenden Humusanteil in den Böden und die Massenhaltung in der Tiermast fördern den weltweiten Klimawandel.

Biologische Lebensmittel liegen im Trend

Immer mehr Menschen wollen deshalb einheimische und ökologisch produzierte Lebensmittel kaufen. Im Supermarkt stellt sich dann aber häufig die Frage: Woran erkenne ich ein „grünes“ oder „nachhaltiges“ Produkt? Viele Produkte geben vor „nachhaltig“, „grün“, „bio“ oder „100 Prozent natürlich“ zu sein. Für den Konsumenten ist es aber häufig schwierig diese Information auf ihre Vertrauenswürdigkeit zu überprüfen.

Zudem gibt es eine ganze Reihe an verschiedenen Gütezeichen und -siegeln. Während erstere auf Definitionen der jeweiligen privaten Vergabestelle beruhen, werden Gütesiegel gesetzlich festgelegt. Für den Konsumenten ist allerdings häufig schwierig festzustellen, was hinter einer solchen Kennzeichnung steckt. Alleine in Österreich sind etwa 100 verschiedene Gütesiegel und -zeichen am Markt vertreten.

Was bedeutet eigentlich Bio und welchen Gütezeichen und -siegeln kannst du noch trauen? Ich habe versucht diese Fragen für dich zu beantworten.

Nicht überall wo „grün“ draufsteht ist auch „bio“ drin

Was bedeutet eigentlich „Bio“?

Biolandbau ist die umwelt- und ressourcenschonendste Form, Land zu bewirtschaften. Zielsetzung ist das Wirtschaften in Stoffkreisläufen. Ein Produkt das innerhalb der EU als „ökologisch“ oder „biologisch“ gekennzeichnet ist, entspricht den Bestimmungen der EU-Bio Verordnung.

Die biologische Landwirtschaft ist eine Kreislaufwirtschaft. Das heißt, dass sich die gesamte Produktion innerhalb eines kleinem geografischen Radius abspielt. Die Bodenfruchtbarkeit wird durch eine standortgerechte Bewirtschaftung erhalten und es werden nur wenige Betriebsmittel zugekauft. Stattdessen soll sich der Boden selbst erhalten, indem ihm am Hof anfallende organische Substanz wie Kompost oder Wirtschaftsdünger zugeführt werden. Durch eine vielfältige Fruchtfolge bleibt der Boden fruchtbar und lebendig und die Notwendigkeit von Kunstdünger entfällt. Die Tiere müssen am Hof genügend Platz finden, um ihre arteigene Verhaltensweisen ausleben zu können. Die Tierart sollte auch zur Region passen, damit das Futter direkt vor Ort produziert und Ressourcen geschont werden können.

Geläufige Gütesiegel und -zeichen

EU-Bio:

Das Siegel steht für biologisch hergestellte Produkte gemäß EU-Bio-Verordnung. Nutztiere müssen freien Auslauf haben, der Antibiotikaeinsatz ist streng reglementiert, die Verwendung von chemischen Pestiziden verboten und die Tiere dürfen nicht mit genmanipulierten Futtermitteln gefüttert werden.

AMA:

Das AMA-Zeichen ist das bekannteste österreichische Gütesiegel und wird von der staatlichen Agrarmarkt Austria GmbH (AMA) vergeben. Das Siegel garantiert, dass alle in Österreich verfügbaren  Rohstoffe, auch aus Österreich stammen. So müssen zum Beispiel bei Milch- und Fleischprodukten 100 Prozent der Milch und des Fleisches aus Österreich stammen. Gentechnisch verändertes Futtermittel in der Schweine- und Rindermast ist aber zulässig.

AMA Bio:

Das staatliche Gütesiegel geht etwas über die EU-Bio-Verordnung hinaus und garantiert 100 Prozent biologische Rohstoffe. Außerdem sind die Produkte palmölfrei und alle Inhaltsstoffe mit einer Herkunftsangabe versehen.

Bio Austria:

Das Bio Austria-Gütesiegel wird von der Organisation Bio Austria verliehen, einem Zusammenschluss von österreichischen Biobauern. Die Vorgaben sind strenger als bei der EU-Bio-Richtlinie. Beispiele dafür sind sehr strikte Vorschriften für Tierhaltung, Futtermittelimporte und Düngemittel. Zudem muss der gesamte Betrieb biologisch bewirtschaftet werden.

Fairtrade:

Dabei handelt es sich vorrangig um ein Sozialzeichen, das nichts über die biologische Herstellung eines Produktes aussagt. Es garantiert allerdings, dass die Bauern im afrikanischen, asiatischen und pazifischen Raum für die Erzeugung ihrer Produkte gerecht entlohnt werden. Der Einsatz von Pestiziden, wie Glyphosat, ist aber nicht verboten, sondern nur geregelt.

Garantiert traditionelle Spezialität:

Diese Kennzeichnung sagt nichts zur Regionalität aus, da lediglich die Herstellungsart traditionell sein muss. Es sind keinerlei Umwelt-, Gesundheits- und Tierschutzstandards vorgesehen, die über das Gesetz hinausgehen.

Geschützte geographische Angabe:

Das Zeichen wird für Produkte vergeben, die typisch für ein geographisches Gebiet sind. Allerdings muss nur ein Produktionsschritt in der jeweiligen Region durchgeführt werden. Für die Herkunft der Rohstoffe gibt es keine Regelungen. Auch hier sind keinerlei Umwelt-, Gesundheits- und Tierschutzstandards vorgesehen, die über das Gesetz hinausgehen.

Geschützte Ursprungsbezeichnung:

Dieses Herkunftszeichen wird für Produkte vergeben, die zur Gänze in einem bestimmten Gebiet hergestellt worden sind. Wie bei den anderen klassischen Herkunftsbezeichnungen sind keinerlei Umwelt-, Gesundheits- und Tierschutzstandards vorgesehen, die über das Gesetz hinausgehen.

MSC:

Der Marine Stewardship Council (MSC) wurde 1997 von Unilever und dem WWF als Initiative für verantwortungsbewusste Fischerei gegründet. Allerdings bedeutet das Siegel nicht, dass der Fisch aus nachhaltigem Fang stammt. Auch Fischereien, die beispielsweise Grundschleppnetze einsetzen, können MSC-zertifiziert werden. Schleppnetze richten am Meeresboden jedoch großen und langanhaltenden Schaden an. Eine hohe Beifangrate ist ebenso kein Ausschlussgrund für MSC.

Pro Planet:

Wurde von Rewe Deutschland entwickelt. Der Fokus liegt auf sechs sogenannten Hot Spots, die analysiert werden. Die Hot Spots sind: Ressourcen, Klimaschutz, Artenvielfalt, Tierschutz, soziale Verantwortung und Produktsicherheit. Pro Planet schreibt auf seiner Homepage: „Bei der Erstvergabe müssen nicht alle produktspezifischen ökologischen und/oder sozialen Probleme direkt behoben werden.“ Somit garantiert das Zeichen nicht, dass es tatsächlich um ein nachhaltiges Produkt handelt. Tatsächlich könnte es auch ein rein konventionelles Produkt sein.

„Ja! Natürlich.“:

Dabei handelt es sich um eine Bio-Eigenmarke von Rewe. „ja! Natürlich.“ geht weit über das AMA-Bio-Siegel hinaus. Beispiele sind die Nulltoleranzgrenze bei Pestiziden und der Verzicht auf Aromen, Extrakte und geschmacksverstärkende Zutaten wie Glutamat über alle Warengruppen hinweg.

„Natur*pur“:

Name der die Bio-Eigenmarke von Spar. Sie basiert auf den Standards des EU-Bio-Siegels. Zusätzlich sind darüberhinausgehende Standards definiert. So enthalten die Bio-Backwaren 100 Prozent Bio-Mehl aus Österreich und auch das Fleisch der „Natur*Pur“ –Produkte muss zu 100 Prozent aus Österreich stammen.

Zurück zum Ursprung:

Hofer bietet die Bio-Eigenmarke „Zurück zum Ursprung“ an. Basis für diese Bio-Marke ist die EU-Bio-Verordnung. Darüber hinaus werden die Produkte nach den Kriterien des „Prüf Nach!-Standards“ produziert. Dabei ist die komplette Produktionskette transparent und man kann online überprüfen, von welchen Höfen sein Einkauf stammt.

Der Griff zum Bio-Produkt lohnt sich

Allerdings musst du beachten, dass nicht jedes Gütezeichen mit „Biologisch“ gleichzusetzen ist. „AMA“, „Fairtrade“, „Garantiert traditionelle Spezialität“, „Geschützte geographische Angabe“ und „Geschützte Ursprungsbezeichnung“ garantieren völlig andere Dinge und sagen nichts über einen biologischen Anbau der Produkte aus. Natürlich können aber auch Bio-Produkte damit zertifiziert werden. „MSC“ und „Pro Planet“ dagegen sind nicht vertrauenswürdig. Bei Fisch greift du generell besser zu Exemplaren aus einer regionalen Zucht, da die Meere einfach schon viel zu überfischt sind.

Ich hoffe meine kleine Bioguide hat einige offene Fragen klären können und hilft dir in Zukunft beim Einkauf. Mehr zum Thema Ernährung findest du hier auf meinem Blog unter Meine Fitness.

Deine Claudiabella <3

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