Monteverde – Willkommen im Nebelwald

Irgendwie war es ja vorhersehbar, dass mein Weg mich irgendwann nach Lateinamerika führen würde. Schließlich fühle ich mich seit meiner Jugend wie magisch zu diesem Erdteil hingezogen. Mich faszinieren die Landschaften, die Geschichte, die Kultur, die Sprache und vor allem die Musik dieser Region.Seitdem ich vor mehr als zwei Jahren beschlossen habe, die Welt zu bereisen und dieses Vorhaben auch zum erklärten Auffangbecken meiner Ersparnisse machte, stehen die Länder Süd- und Mittelamerikas ganz oben auf meiner Bucketlist.

Dass jetzt ausgerechnet Costa Rica als erstes Land an der Reihe war, hängt damit zusammen, dass die Sicherheitslage, im Vergleich zu den anderen Ländern in der Region, regelrecht paradiesisch ist und man hier auf eine gehegte und gepflegte Natur trifft.

Während anderer Orts die Regenwälder abgeholzt werden und die Strände zusehends vermüllen, legt man in Costa Rica sehr viel Wert auf Umweltschutz und naturnahen Tourismus. Die perfekten Voraussetzungen also, um das Land auf eigene Faust und per Mietwagen erkunden zu können.

Costa Rica ist ein sauberes und sicheres Reiseland (im Bild das Stadtzentrum von Santa Elena)

Mit dem Mietwagen durch Costa Rica

Apropos Mietwagen: Wir haben lange überlegt ob und wenn ja, welchen Mietwagen wir uns zulegen sollen. Sich ein Auto zu mieten ist in Costa Rica wirklich keine ganz günstige Angelegenheit. Für einen zwei- bis dreiwöchigen Urlaub (wir waren 18 Tage unterwegs, ohne Flugzeiten) musst du mit rund 1000 Euro rechnen. Ein starker Allradantrieb kommt leicht auf das Doppelte. Ein solcher wird häufig empfohlen, wir fanden ihn aber zu teuer und haben uns zwar für einen Geländewagen, allerdings mit herkömmlichem Antrieb, entschieden. Damit sind wir auf der von uns gewählten Reiseroute auch super zurechtgekommen.

Gebucht haben wir unseren Mietwagen bereits von zu Hause über eine internationale Agentur. Das erschien mir sicherer, als bei einem einheimischen Anbieter vor Ort. Die ortsansässige Stelle der Mietwagenagentur hat uns nach unserer Ankunft direkt am internationalen Flughafen in San Jose abgeholt und von dort zu unserem Auto gebracht.

Unser Mietwagen war zwar in die Jahre gekommen und kein Allrad, brachte uns aber immer sicher ans Ziel

Mobiles Internet vor Ort 

Für die Einreise nach Costa Rica brauchst du übrigens kein Visum. Es reicht einen noch mehr als sechs Monate gültigen Reisepass zu besitzen. Auch die Einreise selbst läuft super unkompliziert ab. Allerdings findet sich am Flughafen nirgendwo eine Verkaufsstelle für Sim-Karten, wie ich es von bisherigen Reisen gewohnt war. Besonders wenn man mit einem Mietauto unterwegs ist, ist eine solche, meiner Meinung nach, unabdingbar (Stichwort Navi). Also haben wir bei der Mietwagenfirma schlau gemacht, wo wir denn den nächsten Mobilfunkshop finden könnten. Wir sind dann auch gleich mit unserem neuen (eigentlich aber schon ordentlich in die Jahre gekommenen) Auto dorthin aufgebrochen. Wobei man es wohl es eher dem Zufall, als der guten Wegbeschreibung, zuschreiben kann, dass wir dort wirklich angekommen sind.

Unsere Wahl fiel auf eine Sim-Karte des Anbieters Kölbi. Dieser sollte laut Google die beste Netzabdeckung haben. Im Nachhinein kann ich festhalten, dass das Netz in Costa Rica viel besser ausgebaut ist, als man vielleicht denken würde. Ich hätte mich zu keinem Zeitpunkt über fehlenden Empfang beschweren können. Sicherlich kann man jetzt nicht aller Orts munter drauf lossurfen, aber in Kombi mit den öffentlichen Wlan-Spots, verhält es sich im Grunde nicht anders als zu Hause. Was du ja nicht probieren solltest, ist auf die mobilen Daten deines heimischen Anbieters zurückzugreifen. Das kommt nämlich teuer.

Willkommen im Dschungel – Monteverde war das erste Ziel unserer Reise

Auf nach Monteverde

Nachdem wir unsere sieben Sachen also beisammen hatten, konnte unser Urlaub so richtig losgehen. Der erste Stopp hieß Monteverde. Wobei Monteverde kein Ort an sich ist, sondern die Bezeichnung für die Bergregion um den kleinen Ort Santa Elena. Sie zählt biologisch zu einem der vielfältigsten Landschaften Costa Ricas und ist eines der Top-Touristenziele. Dank des feuchten Klimas ist hier auf rund 1.600 Metern Höhe eine einzigartige Vegetation namens Nebelwald entstanden. Einen solchen kannst du dir als eine Art Regenwald im Gebirge vorstellen.

Nachdem was ich zuvor schon so alles über die Straße nach Santa Elena gelesen hatte, fürchtete ich mich schon fast ein wenig vor der Fahrt dorthin. Aber, welch Glück, wir trafen fast ausschließlich auf frisch asphaltierte Straßen, manche davon so neu, dass sogar noch die Markierungen fehlten.

Während unseres Aufenthaltes in Santa Elena haben wir in der Acro Iris Lodge übernachtet

Unsere Unterkunft in Monteverde

Angekommen in Santa Elena, bezogen wir gleich unser Zimmer in der Acro Iris Lodge. Diese liegt am Ortsrand und überzeugt durch liebevoll und urig gestaltete Bungalows in Mitten eines großen Gartens. Zum Hervorheben ist auch die Freundlichkeit der Gastgeber. An der Rezeption nahm man sich viel Zeit für unsere Fragen und erklärte uns auch, was wir in den nächsten Tagen hier so unternehmen könnten. Zum Glück in einwandfreiem Englisch, denn mein Spanisch ist in den letzten Jahren leider ein wenig eingerostet.

Rezeptionsgebäude der Acro Iris Lodge
Unser Zimmer

Der Garten der Unterkunft war wirklich schön

Ausgezeichnet war auch das großzügige und abwechslungsreiche Frühstücksbuffet in der Acro Iris Lodge. In keinem anderen Hotel in Costa Rica hat uns das Frühstück so gut geschmeckt wie hier.

Hier werden Frühstücksträume wahr

Da es bei unserer Ankunft im Hotel erst Mittag war, beschlossen wir am selben Tag noch etwas zu unternehmen. Wobei hier wahrscheinlich der blanke Wille über den Körper gesiegt hat: Ich war zu dem Zeitpunkt nämlich schon rund 36 Stunden auf den Beinen. Wie auch immer, die Motivation ist das was zählt und so meldeten wir uns zur Kaffee- und Schokoladentour bei Don Juan an.

Kaffee- und Schokoladentour bei Don Juan

Kurze Zeit später wurden wir auch schon von einem Shuttle abgeholt. Der Fahrer hatte keinen Respekt vor Schlaglöchern und Co, was unseren Transport über holprige und unbefestigte Nebenstraßen zu einem wahren Erlebnis für den, zum Glück leeren, Magen werden ließ.

Holprig ging es gleich nach unserer Ankunft bei Don Juan weiter. Aber die Fahrt in einem alten Ochsenkarren war dann doch etwas entspannter als jene im Shuttle. Don Juan war übrigens eine der ersten Kaffeeplantagen in Monteverde. Seit über 10 Jahren schon werden hier Touren angeboten, die den Besuchern die Herstellung von Kaffee, Schokolade und Zucker näherbringen.

Als Einstieg auf die Kaffeetour durften wir eine Runde im Ochenkarren drehen

Die zweistündige Tour wird in Englisch und Spanisch angeboten und hat mir persönlich wirklich sehr gut gefallen. Was nicht zuletzt an unserem Guide gelegen ist, der uns die Produktion der oben genannten Rohstoffe mit sehr viel Humor nähergebracht hat. Selbst den nötigen Sarkasmus brachte er mit und schaffte es damit die Tourteilnehmer immer wieder zum Schmunzeln zu bringen. Unter anderem kam er immer wieder auf seine Körpergröße (ca. 1,60 Meter) und jene meines Freundes (ca. 2 Meter) zu sprechen. Dabei ermutigte er meinen Freund mit einem Augenzwinkern, doch nach Costa Rica zu ziehen, da seine Statur hier sicher in vielen Bereichen gefragt wäre.

Unser Guide schaffte es unsere Truppe gut zu unterhalten

Bei der Tour lernten wir den Weg der Kaffeepflanzen, vom Samen der Pflanze bis hin zum fertigen Kaffee kennen. Immer wieder durften  auch wir Tourteilnehmer uns nützlich machen. So habe ich beispielsweise die rohen Bohnen geröstet, die mein Freund anschließend zu Kaffeepulver vermalen hat. Aber natürlich will man das Ergebnis am Ende auch kosten und so hat unser Guide, den von uns frisch gerösteten und gemahlenen Kaffee nach traditioneller Art für die Gruppe zubereitet. Allerdings muss ich gestehen, dass mir der Espresso aus meiner heimatlichen Siebträgermaschine doch deutlich besser schmeckt.

Hier darf der Kaffee noch am Baum gedeihen
Die rohen, ungerösteten Bohnen
Mein Freund beim Kaffee stampfen
Hier durfte ich Kaffee rösten

Weiter ging es zum Kakaobaum. Dort teste ich gleich mal, wie das Innere einer frisch geernteten Kakaofrucht so schmeckt. Naja, ehrlich gesagt ziemlich leer. Zum Glück gibt es solche Vorgänge wie Fermentieren, Trocknen und Pressen und am Ende haben wir tatsächlich eine bittere Masse produziert, die ansatzweise an den Geschmack von Kakao erinnert. Nachdem unser Guide diese Pampe mit scheinbar allem was ihm gerade eingefallen war gewürzt hatte (Zucker, Salz, Pfeffer, Chili, you understand), wurde das Ganze mit heißem Wasser aufgegossen und auf uns aufgeteilt. Selfmade Kakao, was will man mehr. Zudem hat die Mischung auch noch überraschend lecker geschmeckt.

In dieser Frucht verbirgt sich der Kakao in seiner Rohform
Kakaobohnen beim Trocknen
Handmade Kakao

Als letzte Station ging es zu einer Zuckerrohrpresse. Dort setzte mein Freund gleich seine Muckis ein, um den Saft aus dem Rohr zu bekommen. Der süße Saft schmeckt wirklich sehr lecker, irgendwie wie ein Holundersirup mit ein wenig Zitrone. Sollte man wirklich mal probiert haben.

Nach Ende der Tour können Besucher sich noch im Souvenirshop austoben. Kann ich auch wirklich nur empfehlen, wenn man Kaffee und Co mit nachhause nehmen will. In den Souvenirläden im Zentrum von Santa Elena kosten die selben Produkte nämlich mehr als das Doppelte.

Nach der Tour haben wir uns bei Don Juan noch Kaffee und Kuchen im angrenzenden Cafe gegönnt

Im Nebelwald von Curi-Cancha

Am darauffolgenden Tag besuchten wir frisch und ausgeschlafen die Reserva Curi-Cancha. Dieses privat betriebene Naturschutzgebiet ist nicht so überlaufen wie das bekannte Monteverde Cloud Forest Reservat. Damit das auch so bleibt, werden immer nur 50 Personen zur gleichen Zeit in das Reservat gelassen. Daher sollen hier auch die Möglichkeiten zur Tierbeobachtung besonders toll sein.

Willkommen im Curi-Cancha Reservat

Eines vorweg: Wir haben im Curi-Cancha Reservat nicht sonderlich viele Tiere gesehen, was aber auch daran liegen könnte, dass wir zu geizig waren eine geführte Tour mit einem Guide zu unternehmen. Wir fanden den Eintrittspreis von 13 Dollar pro Person in diesem Moment irgendwie ausreichend. Rückblickend hätte ich mich wohl anders entschieden. Besonders, wenn ich in anderen Blogartikeln davon lese, wie viele seltene Tiere die Verfasser bei ihrem Besuch des Reservats angetroffen haben. Unter anderem bewohnen Tukane, Nasenbären, Waschbären, Affen, Kolibris, und viele weitere seltene Vögel, wie etwa der berühmte Quetzal, das Gebiet. Wobei ich letzteren sogar durch das Fernglas einer kanadischen Touristengruppe beobachten konnte. Allerdings handelte es dabei „nur“ um ein weibliches Exemplar, welches nicht das wunderschöne bunte Federkleid der Männchen besitzt.

Ein weiblicher Quetzal

Trotzdem war unsere Wanderung durch das Naturschutzgebiet wunderschön. Die Wanderwege, die durch den Nebelwald führen, sind gepflegt und als Besucher genießt man die Ruhe, welche nur durch den Gesang der Vögel in den Bäumen unterbrochen wird. Auch der Wald selbst, genauer gesagt die riesigen Bäume, sind faszinierend.

Meinem Freund hat besonders die Begegnung mit den Kolibris begeistert. Wie ich, hatte er diese Vögel zuvor noch nie in freier Wildbahn beobachtet. Die Flügel der Kolibris schlagen so schnell, dass man seinen Augen kaum trauen kann, daher sind sie auch extrem schnell und schwer zu fotografieren. Als sie an uns vorbei sausten, erinnerte mich das Geräusch ihres Flügelschlages an jenen von Bienen, nur logischerweise der Größe entsprechend lauter.

Immer wieder sind wir während unserer Wanderung auf mächtige Bäume gestoßen

Vielen Besucher wählen eine geführte Tour mit einem Guide

Die Wanderung im Curi-Cancha Reservat hat uns im Großen und Ganzen gut gefallen

Insgesamt waren wir fast vier Stunden im Curi-Cancha Reservat unterwegs. Da es so gut wie keine Aufstiege gibt und das Wetter traumhaft war, haben wir auch jede einzelne Sekunde davon genossen.

Irgendwann kam dann aber doch die Müdigkeit und so haben wir den Nachmittag nach unserer Wanderung hauptsächlich dafür aufgewendet, den Ort Santa Elena zu erkunden. Das nächste größere „Projekt“ wurde auf den folgenden Tag verschoben. Dort gibt es viele nette Cafés und Restaurants aber auch jede Menge, meiner Meinung nach, sehr überteuerte Souvenirläden. Wenn du, so wie wir, gut und günstig Essen gehen willst, kann ich dir das Sabor Tico ans Herz legen. Dort gibt es traditionelle costa-ricanische Gerichte, die wirklich satt machen.

In Santa Elena schmücken bunte Wandmalereien die Fassaden
Gut gegessen haben wir im Sabor Tico

Über den Baumkronen

An unserem dritten und letzten Tag in Monteverde haben wir dem Selvatura Park einen Besuch abgestattet. Das ist ein Natur- und Abenteuerpark, wo du verschiedene Aktivitäten, wie eine Zipline-Tour über die Baumwipfel, oder einem mit zahlreichen Hängebrücken bestückten Wanderweg bestreiten kannst. Wir haben die Karten für die Hängebrückenwanderung (50 Dollar pro Person) schon vorab in unserer Unterkunft gekauft, um der langen Schlange am Ticketschalter zu entgehen. Eigentlich war es auch Teil unseres Planes mit einem Shuttlebus zu unserem Ziel zu gelangen. Daraus wurde allerdings nichts, da der Fahrer des Shuttles kurz vor unserer geplanten Abfahrt anrief und uns mitteilte, dass sein Kleinbus leider schon überfüllt sei. So haben wir uns selbst ins Auto gesetzt und sind in Richtung Selvatura Park gedüst.

Im Selvatura Park kann man den Nebelwald von oben erkunden

Wobei düsen wohl der falsche Ausdruck ist, denn unsere Fahrt über eine unbefestigte Schotterstraße war abenteuerlich und vor allem eines nicht: schnell. Wir brauchten ungefähr 30 Minuten, um die etwa 6 km lange Strecke zu bewältigen. Wenigstens mussten wir im Anschluss daran nicht mehr an der Kasse anstehen und konnten unsere Tour gleich starten.

Der Nebelwald, der den Selvatura Park umgibt, ist um einiges dichter, grüner und dunkler als jener in Curi-Cancha. Ich war sofort hellauf begeistert von der mystischen Energie, die dieser Vegetation innewohnt. Zudem waren wir an jenem Tag einer der ersten Besucher und hatten den Park so ziemlich für uns alleine.

Nach ein paar hundert Metern erreichten wir schon die erste Hängebrücke. Insgesamt erstrecken sich hier acht kürzere und längere Hängebrücken auf einer Strecke von drei Kilometern durch den Nebelwald und teils weit über seine Baumkronen hinweg. Die längste Hängebrücke misst ganze 170 Meter auf bis zu 60 Metern Höhe. Das Wackeln der Brücken ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Als ich eine längere Brücke das erste Mal gemeinsam mit einer größeren Gruppe überquerte, bekam ich es direkt mit der Angst zu tun (ja, ich leide nun mal an einer verdammten Höhenangst). Nach einigen etwas bangen Überquerrungen fühlte ich mich aber angekommen im Park und konnte das ganze Erlebnis so richtig auf mich einwirken lassen. Und was soll ich sagen, die Hängebrücken waren mitunter wirklich eines unserer schönsten Erlebnisse in Costa Rica. Die mächtige Waldlandschaft von oben zu betrachten ist einfach ein besonderes Feeling.

In luftiger Höhe kann schon einmal Höhenangst aufkommen

Der Selvatura Park war wirklich eines der Highlights unserer Reise

Und weil es so schön war (und ich endlich jegliche Angst verloren habe), sind wir am Ausgang einfach umgedreht und die drei Kilometer noch einmal zurückgelaufen.

Zu guter Letzt

Mein Fazit nach drei Tagen Monteverde: Diese Bergregion darf bei keiner Costa Rica Rundreise fehlen. Diesen Fakt kann auch die Tatsache nicht drüben, dass hier alle Aktivitäten ein hübsches Sümmchen kosten. Aber daran musst du dich als Costa-Rica-Tourist generell gewöhnen. Also bis bald in La Fortuna.

Deine Claudiabella <3

Reiselust gepackt? Mehr über meine Reisen findest du hier.

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