Meine vier Lieblingsplätze in Friaul-Julisch Venetien

Bella Italia ist für viele einfach der Inbegriff von Urlaub im Süden. In keinem anderen Land der Welt scheint das Dasein so leicht und der Alltag so schön zu sein. Man sollte einfach dorthin reisen, wann immer es einem nach mehr Lebensfreude dürstet.
Doch für viele wäre das wohl nur mit einem Flug oder einer langen Autofahrt möglich. Deshalb weiß ich mein Glück auch sehr zu schätzen, direkt an der österreichisch-italienischen Grenze zu wohnen. Wann immer es möglich ist, übertrete ich diese Linie zu einer anderen Welt und lasse mich von ihrem Charme verzaubern.

Und gerne würde ich jetzt auch dich mitnehmen, auf eine Reise nach Friaul-Julisch Venetien, der italienischen Region, die meiner Heimat am nächsten ist.

Zwischen Alpen und Adria

Diese Worte beschreiben Italiens Nordosten wohl am Besten. Von schneebedeckten Bergen und idyllischen Flusstälern, geht es über sanfte, mit Weinreben bedeckte Hügel und pittoreske Orte zu kilometerlangen Sandstränden. Überall gibt es kleine Paradiese und kulinarische Genüsse zu entdecken. Guter Wein gehört zur Lebensphilosophie der Einheimischen.

Die Region gehörte lange zu Österreich, erst nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde sie ein Teil Italiens. Die unterschiedlichen kulturellen Einflüsse spiegel sich auch heute noch in den Traditionen der Bevölkerung und der Architektur der Städte wieder. In den Badeorten an der Adriaküste kommen zudem immer wieder Heimatgefühle in mir auf, denn man scheint oft auf mehr Österreicher als Italiener zu treffen. Doch es sind nicht die überfüllten Strände, die mein Herz erobert haben.

Einssein mit der Natur am Laghi di Fusine

Direkt im Grenzdreieck von Österreich, Italien und Slowenien und am Fuße der schroffen Mangart Bergkette, befindet sich ein ganz besonderes Naturjuwel. Nachdem du dich auf einer hügeligen Straße durch dichten Fichtenwald geschlängelt hast empfängt dich auf 924m Seehöhe das smaragdgrüne Wasser eines der wahrscheinlich schönsten Bergseen, den du je gesehen hast.


Die schroffen Gipfel des nahe gelegenen Gebirges spiegeln sich auf der Oberfläche und vereinzelt kreuzen Ruderboote das Wasser. Und ist nicht gerade ein strahlend schöner Sonntagnachmittag, bist du wahrscheinlich auch fast ganz alleine in diesem Wunderland. Wenn du jetzt auch noch gutes Schuhwerk im Gepäck hast, kannst du dich auf eine kurze Wanderung, über Stock und Stein, zum oberen See begeben. Denn der Laghi di Fusine besteht eigentlich aus zwei Seen, dem „Laghi Inferiore“ (unterer See) und dem „Laghi Superiore“ (oberer See). Hier ist der Berg noch näher und Richtung Süden zeigen sich saftige grüne Wiesen. Der obere See ist von zahlreichen Felsblöcken gespickt und deine Abenteuerlust bringt sich dazu einen von ihnen zu erklimmen.

Von Bootstouren und Gnocchi

Der Weg zwischen den beiden Seen ist nur erwanderbar, sondern kann auch bequem mit dem Auto zurückgelegt werden. Du folgst einfach weiter der Anfahrtsstraße und kommst am Weg auch bei einer Holzhütte mit bunten Fensterläden vorbei. Es handelt sich hierbei um eine kleine Gaststätte, dem Albergo Edelweiss, welche traditionelle regionale Küche und auch einige Fremdenzimmer anbietet. Besonders die Gnocchi fallen dabei ins Auge. In der friulanischen Küche ersetzten sie variantenreich die Pasta. Aber auch die gibt es hier. Oder du gibst dich mit einem italienischen Espresso zufrieden und genießt von der Terrasse aus einfach den Blick über das Wasser.

Das Koffein macht dich wieder fit für eine anschließende Seerundfahrt in einem der bunte Ruderboote, welche du am Kiosk an der Nordseite des „Laghi Inferiore“ ausleihen kannst. Mit einer Leihgebühr von 7 Euro für eine halbe Stunde sind diese leider nicht ganz so günstig. Dafür ist das Erlebnis einmalig. Versprochen.

Sommelier spielen in Cividale del Friuli

Über die Autobahn A23 und die Provinzhauptstadt Udine führt der Weg weiter nach Osten, fast bis nach Slowenien. Dort liegt die einst von Julius Cäsar unter dem Namen Iulii gegründete Stadt Cividale. Die ursprünglich Bezeichnung der Stadt sollte später namensgebend für die ganze Region werden: Aus Iulii wurde Friuli (Friaul).
Das reiche geschichtliche Erbe, welches sich auch in der Architektur wiederspiegelt, wurde 2011 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Wie der Teufel überlistet wurde

Am besten du parkst dein Auto etwas außerhalb. So kannst du gebührenpflichtige Parkplätze vermeiden und bei einem kurzen Spaziergang gleich ein wenig die Stadt erkunden.

Der Tag hat gerade erst begonnen und die Straßen sind noch ziemlich leer. Wenn du den Piazza Duomo erreichst, liegt er noch im Schatten der Kathedrale Santa Maria Assunta. Die Einheimischen lassen sich davon aber nicht beirren und nippen auf der mit Arkaden überdachten Terrasse eines Kaffeehauses an ihren Espressi.
Rechts geht es weiter, an einem Feinkostladen und einer Pasticceria vorbei, zum Fluss Natisone.  Über diesen spannt sich die Ponte del Diablo, die Teufelsbrücke. Einst soll der Teufel höchstselbst beim Bau der Brücke geholfen haben und als Gegenleistung die Seele desjenigen verlangt haben, welcher als erstes die Brücke überquere. Die Bewohner schickten jedoch einen Esel über die Brücke und so wart der Satan besiegt. Heute kannst du beruhigt über die Brücke gehen, ohne vom Beelzebub geholt zu werden, und vom anderen Ufer aus die wunderbare Sicht auf die Stadt genießen.

Danach kehrst du um und erkundest die Gassen der Altstadt, welche dich zum Piazza Paolo Diacono führen. Gegen den kleinen Hunger hilft die Kombination aus Cappuccino und einem Hefegebäck mit Vanillefüllung, welche in einer der hübsches Cafeterien auf hungrige Besucher wartet.

Time for wine

Um die Mittagszeit kehrst du Cividale den Rücken zu und begibst dich in die Colli Orientali del Friuli.
Die „Östlichen Hügel des Friaul“ sind eines der reizvollsten Anbaugebiete für Weißwein in Italien. Viele sind mit einem DOC-Siegel, einer geschützten Ursprungsbezeichnung nach EU-Verordnung, versehen. Damit ein Wein diese Bezeichnung führen darf, müssen festgelegte Kriterien hinsichtlich Produktionsrichtlinien, Rebsorten und der Grenze des Anbaugebietes erfüllt werden. Dadurch soll ein Anreiz geschaffen werden, die hohe Qualität der Produkte zu erhalten. Als Konsument hast du so die Sicherheit, einen Wein zu genießen, der aus 85 bis 100 Prozent für die Region typischen, und auch dort angebauten, Rebsorten besteht.

Sanft windet sich eine schmale Straße durch die mit Rebstöcken überzogenen Colli Orientali. Immer wieder siehst du altehrwürdige Weingüter in ihrer Mitte thronen. Sie sind ihrer Umgebung organisch angepasst und es scheint fast so, als wäre die Zeit hier stehengeblieben. 
Du genießt das rhythmische  auf und ab der Fahrbahn und würdest am liebsten nie mehr stehenbleiben. Gegenverkehr? Fehlanzeige.

Pause im Paradies

Nach einer Weile erblickst du einen hübschen, in die Hügel von Manzano eingebetteten, Gutshof, das Hotel Ristorante Elliot. Trotz der optischen Verschmelzung mit seiner Umgebung, ist der Betrieb modernen Standards angepasst. Am besten du nimmst den Weg durch den Haupteingang direkt zur Theke, wo du dir einen der typischen Weine wie Friulano, Malvasia oder den süßen Verduzzo bestellst. Danach geht es ab durch den Hinterausgang auf die schöne Terasse, wo du, auf rustikalen Holzbänken sitzend, eine wunderbare Aussicht über die Region genießt.

Cappuccino trinken und allerlei Schnickschnack kaufen in Grado

Endlich geht es in großen Schritten Richtung Meer. Das Ziel ist Grado, die goldene Laguneninsel, welche fast einer Miniaturausgabe von Venedig gleicht. Das wird schon bei der Anfahrt durch die Lagune klar. Minutenlang fährst du auf einem Damm durch die Adria. Rundherum die blaue Einheit der Adria, am Ende des Weges die Umrisse der Stadt.

Spaziergang zum Meer

Gleich nach der Ankunft biegst du rechts ab und parkst das Auto am Hafen. Sobald du auch noch den Geruch des Meeres in der Nase hast und sie Möwen schreien hörst, ist das Urlaubsfeeling perfekt.
Gerade aus geht es direkt in dem von venezianischen Flair geprägten Ortskern. Du erblickst einen mit Segelbooten gesäumten Kanal und stellst fest das der Platz an dessen Ende Piazza San Marco heißt. Wie passend. Jetzt im September wirkt der Ort einfach herrlich ruhig und idyllisch und lädt zum Sonnen tanken ein.
Aber die vielen kleinen Plätze und malerischen Gässchen bieten herrlich für eine Entdeckungsreise an und so führt der Weg weiter, an eng aneinandergereihten Fischerhäusern vorbei zum Meer.

Von weitem hörst du schon den Trubel vom Spiaggia Principale. Doch heute steht das Badevergnügen nicht im Vordergrund. Lieber biegst du auf den Nazario Sauro ab und spazierst am Meer entlang. Am Weg laden Holzbänke zum Verweilen ein und wer sich darauf einlässt, riskiert vom Rauschen des Meeres schläfrig zu werden.

(Hotels in Grado findest du hier)

Wo Kaffeekultur auf Krimskrams trifft

Auf dem Rückweg ist fällt dir ein sofort ein Cafe ins Auge, dessen Gastgarten sehr individuell und stilvoll gestaltet ist. Stilvoll bezieht sich in diesem Zusammenhang auf systematisch bunt durcheinander gewürfelte Sitzmöbel mit Bialettis als Zuckerdosen und einer Fassade, welche mehr einem Antiquitätenhandel gleicht als der Außenmauer eines Hauses. Dazu dröhnt Musik aus anno dazumal aus den Lautsprechern. Willkommen im La Brocca Rotta!

Hier musst du einfach für einen Cappuccino verweilen und anschließend das Innere des Lokales erkunden. Denn darin ist ein mit viel Liebe gestalteter Deko-, Schmuck- und Antiquitätengeschäft untergebracht. Darin zu stöbern lohnt sich alle mal, überall verstecken sich einzigartige kleine Schätze. Wetten, dass du dem Shoppingfieber verfällst?

Weinproduktion hautnah miterleben in Marano

Richtung Westen geht die Laguna di Grado in die Laguna di Marano über. Durch einsame ländliche Gegenden, vorbei am Naturschutzgebiet der Flussmündung des Stella-Flusses, führt dich dein Weg weiter nach Marano Lagunare.
Das ehemalige Fischerdorf gehörte fast ein halbes Jahrhundert zu Venedig. Diese Vergangenheit hat Spuren in Architektur, Sprache und Küche hinterlassen: Der Baustil der alten Gebäude erinnert an jene in der Lagunenstadt, man spricht den venezianischen Dialekt und isst Fisch. Die Altstadt wurde im typischen Fischgrätenmuster errichtet. Das bedeuted, dass sie von Norden nach Süden von einer Hauptstraße durchzogen ist, von der nach einem symetrischen System Gassen abzweigen.

Und genau diesem Nord-Süd Verlauf folgt auch deine Erkundungstour, die dich zum 31 Meter hohen Torre Millenaria im Stadtzentrum führt. Der große Platz um den Turm ist fast menschenleer, nur in den Cafes im Süden sitzen einige Einheimische und lesen Zeitung. Wenn du dich zu ihnen setzt, erzählen sie dir vielleicht etwas über ihr Leben im Fischerdorf, schimpfen über die Politik oder verraten dir, wo du den vielleicht besten Wein der Region kaufen kannst.

In den Weingärten der Lagune

Von den Worten der Ortskundigen inspiriert, brichst du Richtung Süden in die Via delle Valli auf. Dieses Straße führt direkt am Naturreservat Valle Canal Novo vorbei, einem Ausläufer des Naturschutzgebietes an der Stella-Flussmündung. Hier stehen noch die typischen, aus Schilf und Holz gebauten, Häuser der Fischer. An diesen Ort wirst du ein andermal zurückkehren, wenn dir nach Einsamkeit und Ruhe dürstet, denn dein eigentliches Ziel liegt fast ganz am Ende der Straße.
Umgeben von Weinreben liegt hier das Weingut Ghenda Fausto versteckt. Die Reihen der Rebstöcke sind auf unzählige, miteinander durch schmale Landstriche verbundene Inseln in der Lagune verteilt. Du kannst es selbst fast nicht glauben, was du hier siehst: An diesem Ort wächst der Wein fast aus dem Meer.

Der Winzer ist etwas gestresst, gerade findet die Ernte statt. Trotzdem lädt er dich ins Innerste seines Betriebes ein. Dort stehen große, abgedeckte Kessel, in welchen der erste Teil der Ernte bereits langsam zu edelem Tropfen gährt. Jetzt, nach erst kurzer Vergärung, ähndelt der Geschmack jenem von sehr süßen Traubensaft. Ein Genuss.
Doch auch der fertige Wein kann natürlich verkostet werden. Und am Besten genießt du dabei den wunderbaren Ausblick auf die Lagune und beobachtest die Enten, wie sie es sich unter den Granatapfelbäumen im Garten des Weingutes gemütlich machen

Für weitere Tipps und Informationen, kannst du bei der offiziellen Seite der Tourismusregion Friuli-Venezia-Giulia vorbeischauen.

Wenn du jetzt noch mehr Lust auf Italien bekommen hast, findest du hier meinen Reisebericht von meinem Trip nach Burano und Murano.

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