Den Golf von Neapel entdecken Teil 2 – Capri und Procida

Das städtische Leben in Neapel ist laut und hektisch. Kein Wunder, dass man sich nach einiger Zeit nach Ruhe und Erholung sehnt. Zum Glück bietet der Golf von Neapel genau diese Dinge in Hülle und Fülle. Und dafür ist auch keine lange und aufwendige Reise von Nöten. Traumziele wie Capri und die Amalfiküste liegen nur einen Wimpernschlag entfernt. Ersterer ist der erste Abschnitt dieses Artikels gewidmet. Im Anschluss daran nehme ich dich noch mit nach Procida, der kleinen Nachbarinsel von Capri. Diese ist touristisch noch nicht so erschlossen, bietet aber ursprüngliche Inselromantik vom Feinsten.

Die Statue des römischen Kaisers Augustus wacht von Capri aus über den Golf von Neapel.

Capri

Die Insel erreichst du von Neapel aus mit der Fähre. Die Boote legen mehrmals täglich am Molo Beverello ab. Informationen zu den Abfahrtszeiten und den Preisen findest du bei Portanapoli.deDu musst für Hin- und Rückfahrt allerdings etwa 60 Euro einplanen. Dafür lohnt es einem die Insel mit fantastischen Eindrücken, versprochen.

Kleine Geschichtsstunde

Archäologische Funde belegen, dass die Insel seit der Altsteinzeit ein Siedlungsgebiet war. Erstmal als Erholungsgebiet entdeckt wurde die Insel dann von den Römern. Kaiser Tiberius verlegte im Jahre 26 n. Chr. sogar seinen Regierungssitz nach Capri. Angeblich um umgestört seine Feste und Orgien feiern zu können. Zudem erinnerten ihn die weiten Ausblicke über das Meer an seine Zeit in Griechenland. In den Jahren, die Tiberius auf Capri verbrachte, ließ er insgesamt 12 Villen auf der Insel errichten. Die bekannteste davon ist die Villa Jovis auf der östlichen Spitze Capris. Die Ruinen der Villa kannst du auch heute noch besichtigen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Capri zunehemd zum Anziehungspunkt für Künstler und Schriftsteller. Diese verbreiteten die Schönheit der Insel in ihren Werken und weckten damit die Sehnsucht der europäischen Elite. Besonders die Grotta Azzurra, die blaue Grotte, sorgte nach ihrer Wiederentdeckung durch den deutschen Dichter August Kopisch ein wahres „Capri-Fieber“. Wer es sich leisten konnte, besuchte nun die Insel. Oder baute sich gleich einen luxuriösen Landsitz. Wie beispielweise der schwedische Schriftsteller Axel Munthe. Dessen Villa San Michele in Anacapri gehört heute zu den Highlights eines Inselbesuches.

Säulengang in der Villa San Michele.

In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde Capri schließlich zur Heimat des Jetsets. Unvergessliche Persönlichkeiten wie Oscar Wilde, Maria Callas oder Brigitte Bardot zählten zu den Stammgästen.

Heute ist Capri ein Anziehungspunkt für Touristen aller Art. An den Jetset erinnern heute in erster Linie die Preise. Denn Capri ist vor allem eines nicht – billig. Viele Hotels verlangen in den Sommermonaten astronomische Preise, in der Stadt Capri reiht sich eine Luxusboutique an die nächste und in Restaurants und Cafés solltest du immer zuerst die Preisliste begutachten.

Von der Marina Grande zur Villa San Michele

Ein Tag ist zwar kurz, aber mit dem richtigen Zeitmanagement schaffst du es die schönsten Fleckchen Capris ganz stressfrei abzugrasen. Der Ausgangspunkt ist dabei das Hafenörtchen Marina Grande. Dort legen die Fährschiffe ebenso an wie Ausflugsboote und Yachten.

Blick auf die Marina Grande.
Straße von der Marina Grande richtung Anacapri.

Du bist motiviert und spürst die Pizza vom Vorabend noch im Magen? Wunderbar, dann spazierst du am besten vom Hafen westwärts entlang der Via Marina Grande und der Via Fenicia zu einem Wanderweg direkt nach Anacapri. Der Weg ist gut beschildert und sobald du einmal den Anstieg erreicht hast, kannst du dich eigentlich nicht mehr verlaufen. Dafür brauchst du nun eine große Lunge, denn nun geht es über hunderte von Treppenstufen steil nach oben. Ja es ist anstrengend, keine Frage, aber die Ausblicke auf den Hafen und das Meer, die mit den gewonnenen Metern immer kleiner werden, sind einfach magisch und noch dazu ganz gratis.  Alternativ fährt natürlich ein Bus nach Anacapri. Aber ein durch Anstrengung erreichtes Ziel ist doch ein um einiges schöneres, nicht wahr?

Blick auf die Marina Grande vom Wanderweg nach Anacapri aus.
Blick vom Garten der Villa San Michele auf das Meer.

Am Ende des Aufstieges wartet die Villa San Michele. Der Eintrittspreis für diesen, über mehrere Etagen angelegten Komplex, beträgt 8 Euro. Im Inneren kannst du die Wohnung des schwedischen Dichters Axel Munthe besichtigen. Dieser praktizierte übrigens auch als Arzt und war einer der Gründer des Roten Kreuzes.

Der Höhepunkt der Villa ist aber zweifellos der Park. Der Ausblick von dort ist einfach grandios. Die Stadt Neapel, der Vesuv und Halbinsel von Sorrent – das alles liegt dir dort oben zu Füßen. Vor dieser Kulisse wartet die steinerne Sphinx. Der Legende nach musst du drei Finger auf ihre Flanken legen und deine Augen schließen damit dein größter Wunsch in Erfüllung geht (Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings hoch, dass du dir in diesem Moment einfach nur wünscht die Treppen zur Villa nicht noch ein zweites mal hinaufkeuchen zu müssen).

Sphinx in der Villa San Michele.
Die Gärten der Villa sind eine traumhafte Fotolocation.
Kaffee und Zitronenkuchen im Museumskaffee der Villa San Michele.

Mit dem Sessellift auf den Monte Solaro

Ein wenig weiter im Ortszentrum von Anacapri findest du die Piazza Vittoria. Von dort aus fährt ein Sessellift auf den höchsten Berg Capris, den Monte Solaro.  Der Preis für Hin- und Rückfahrt beträgt 12 Euro und dauert etwa 13 Minuten. Auf dem Gipfel erwartet dich ein 360° Panoramarundblick. Die Aussicht von diesem Punkt ist schwer in Worte zu fassen. Sie gehört zu den Dingen, die man einfach selbst erleben muss, um sie zu beschreiben.

Blick vom Monte Solaro auf die Faraglioni.

Weit unter dir ziehen Boote eine weiße Gischt durch das azurblaue Meer. Besonders um die Felsformation der Faraglioni summieren sich die Boote. Die insgesamt drei aus dem Meer herausragenden Felsklippen sind das bekannteste Wahrzeichen der Insel. Jeder der drei Felsen trägt einen eigenen Namen – Faraglione di terra, Faraglione di mezzo und Faraglione di fuori.

Die Felsformation ist Anziehungspunkt für Boote und ein beliebtes Fotomotiv.

Auf dem Berggipfel gibt es auch eine Bar. Und sich bei diesem magischen Blick über den Golf einen Drink zu gönnen, ist einfach Dolce-Vita-Feeling pur. „Da lässt es sich sich aushalten“ – denkst du wahrscheinlich. Den gleichen Gedanken hatte wohl Kaiser Augustus, der seit 2000 Jahren in Form einer Statue, mit Blick zu den Faraglioni über das Meer wacht.

Drinks with a view!
Die Augustusstatue ist wohl eines der bekanntesten Wahrzeichen der Insel.

Anacapri und Capri

Der Ort Anacapri selbst ist touristisch um einiges ruhiger als der Hauptort Capri. Dafür kommt er mit eine ganzen Menge dörflicher Romantik daher. Besonders idyllisch sind die engen Gassen  der gepflasterten der Altstadt, die sich zwischen den weißen Häusern hindurchschlängeln. Im Ortskern findest du viele kleine Läden und Lokale. Hier sind die Preise nicht überirdisch und du findest bestimmt etwas Nettes zum Anziehen oder ein hübsches Restaurant, wo du deinen Hunger stillen kannst. Daneben warten viele Souvenirshops auf deinen Besuch

Mit dem Bus geht es im Anschluss zurück in den Hauptort Capri. Seit den 50er Jahren ein beliebter Treffpunkt für die Reichen und Schönen. Reiht sich hier ein nobles Hotel, an ein feines Restaurant, eine edle Boutique, an einen teuren Juwelier oder an ein wieder anderes nobles Hotel. In den Gassen herrscht überall reges Treiben, Menschen wusseln umher. Der Mittelpunkt und Magnet für diese, aus allen Richtungen kommenden Menschen, ist die Piazza Umberto. Die Cafés rund um den Platz bieten dir die besten Möglichkeiten das Treiben in Ruhe zu beobachten. Bei einem Kaffee oder Aperitiv versteht sich.

Blick von Capri-Stadt aus.
Capri-Stadt

Zurück zur Marina Grande kommst du entweder zu Fuß oder mit der Standseilbahn. Vom Hafen aus hast du die Möglichkeit Bootsausflüge zu unternehmen. Beispielsweise zur berühmten Grotta Azzurra. Allerdings werden oft nur überteuerte private Touren angeboten (war bei mir der Fall, weshalb wir die Grotte nicht besichtigt haben). Deshalb zahlt es sich aus, wenn du dich vorab informierst.

Procida

Diese Insel ist die kleinste der drei Inseln im Golf von Neapel. Und sicherlich die ursprünglichste. Obwohl sie von Neapel aus in 30 Minuten recht unkompliziert ( und viel günstiger als Capri) zu erreichen ist, blieben die Touristenmassen bisher aus. Eine Fahrt vom Molo Beverello nach Procida schlägt sich mit Rund 15 Euro in deinem Reisebudget zu Buche. Die Insel selbst ist zwar nur 4km² groß, bietet aber die wahrscheinlich süßesten und fotogensten Ortschaften des Mittelmeeres. Die du mit etwas Glück in Ruhe und fast ohne andere Touristen besichtigen kannst.

Die Marina di Procida.

Tipp: Sich ein Mofa mieten

Die Fährboote legen im Hafen Marina di Procida an. Hier empfangen dich bunte Häuser und Fischerromantik. Am besten siehst du dich hier kurz um, bevor du dich auf die Suche nach einem Mofaverleih begibst. Denn auf zwei Rädern lässt sich die Insel am besten erkunden. Aber Achtung – der Verkehr in den wirklich sehr engen Gassen kann doch sehr lebhaft sein. Du solltest also immer vorsichtig und vorausschauend unterwegs sein.

Gasse auf Procida.
Procida ist voll mit kleinen Läden die Dies-und-Das verkaufen.

Terra Murata und Marina Corricella

Von der Marina di Procida gelangst du mit dem Mofa in wenigen Minuten hinauf zur Festung Terra Murata. Sie ist quasi das historische Herz der Insel. Die Burg wurde im Mittelalter zu Verteidigundzwecken erbaut, denn die Bewohner mussten sich vor den Überfällen verschiedener barbarischer Völker, Seeraübern und Sarazenen schützen. Im 19. Jahrhundert wurde die Terra Murata schließlich zu einem Gefängnis umfunktioniert, welches erst 1988 wieder geschlossen wurde. Heute hast du dort oben nichts zu befürchten als mittelalterliche Atmosphäre und wunderbare Ausblicke über den Golf.

Blick auf die Terra Murata.
Die mittelalterliche Wehranlage diente schon als Filmkulisse.
Der Burgberg bietet einen gigantischen Ausblick.

Am Fuße der Festung liegt der Fischerort Marina Corricella. Da ich keine Straße entdeckt habe, die nach unten führt, kann ich dir nur empfehlen dein Mofa auf einem Parkplatz am Straßenrand abzustellen und die Stufen zum Hafen hinabzusteigen. Dich erwartet das, was du dir wahrscheinlich unter einem romantischen Inseldorf im Mittelmeer vorstellst – bunte, würfelförmige, übereinandergestapelte Häuser, Fischer, die vor kleinen Tavernen dem Kartenspielen fröhnen und Katzen und Hunde, die sich auf der Suche nach Fischresten befinden. Entlang des Hafens findest du auch einige nette Lokale und Restaurants. In denen solltest du natürlich ein Fischgericht kosten, denn die Bewohner der Marina sind stolze Fischer und leben zumeist davon. Der Tourismus stellt nur ein Nebeneinkommen dar.

Blick von der Terra Murata auf Corricella.
Der Hafen von Coricella.
Auf Procida solltest du ein Fischgericht probieren.

Strände

Das Mofa ist die perfekte Grundlage um die Strände der Insel zu erkunden. Wobei das Um-die-Insel-Düßen ja schon an sich ein Erlebnis ist. Der größte und beliebteste Strand ist der Lido Chiaiolella. Er befindet an der Westküste der Insel und du findest hier gute Parkmöglichkeiten für dein Mofa. Am Strand angekommen, kannst du dort bis in die Abendstunden die Sonne genießen und anschließend den Sonnenuntergang betrachten.

Richtung Norden geht der Strand in seine Verlängerung, dem Lido Ciraccio über. Auf deinen Weg dorthin kommst du bei zwei Faraglioni vorbei. Diese sind kleiner und weniger berühmt als ihre Schwestern vor Capri. Geben aber trotzdem ein gutes Fotomotiv ab.

Die zwei Faraglioni am Strand von Chiaiolella.
Beim Baden auf Procida sollte man seine Badeschuhe nicht vergessen.

Die Lido Strände sind, wie auch alle anderen auf Procida, wegen des Vukangesteins grau. Deshalb solltest du dir keine weißen Karibikstrände erwarten. Und wenn du erst einmal dort bist, wirst du schnell merken, dass auch dunkle Strände durchaus reizvoll sein können. Was du allerdings auf keinen Fall vergessen solltest, sind Schuhe für den Strand. Denn unter der Sonne heizt sich der graue Sand und Kies schnell auf Temperaturen auf, die mit deinen nackten Füßen nicht wirklich verträglich sind.

Tipps zum Schluss

Tipps für den Urlaub auf Procida sowie Unterkünfte findest du auf der lokalen Tourismusseite. In Capri musst du pro Nacht in einem Drei-Sterne-Hotel mit etwa 200 Euro pro Nacht und Person rechnen. Es ist also alles andere wie billig. Deshalb empfehle ich hier jetzt keine Buchungsseiten oder Hotel für Capri. Auf Seiten wie Booking wirst du aber sicher fündig.

Mehr über meine Reise zum Golf von Neapel findest du im ersten Teil meiner Reiseberichtsreihe.

Deine Claudiabella <3

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