Den Golf von Neapel entdecken Teil 1 – Neapel

Neapel sehen und sterben“ – das solltest du nicht allzu wörtlich nehmen. Zwar gilt die Stadt Neapel seit jeher als magischer Ort, doch sterben musst du gewiss nicht, nachdem du sie zum ersten Mal erblickt hast. Es wäre auch zu Schade um die ganzen einmaligen Eindrücke. Denn keine italienische Stadt polarisiert so wie Neapel – man denke nur an Pizza, Lebenslust und Camorra. Wobei du von letzterer bei einem Besuch der Stadt Gott sei Dank nichts mitbekommen solltest. Die ersten Beiden dagegen sind hingegen allgegenwärtig. Und sie befinden sich in bester Gesellschaft mit allerhand Sehenswertem und Kuriosem.

Und wenn du dann doch einmal genug von der Hektik und dem Trubel der wahrscheinlich lautesten und lebendigsten Stadt Europas hast, kannst du noch immer übers Meer auf eine der Inseln des Golfes von Neapel flüchten. Oder an die nahegelegene Amalfiküste, mit ihren pitoresken Orten.

Klingt das nicht nach einem aufregenden Trip? Also komm doch einfach mit mir mit und begebe dich auf eine einzigartige Entdeckungstour an den Golf von Neapel.

Pack deine Koffer und los gehts!

Vom Flughafen in die City

Wie viele andere, beginnt auch dieses Reiseabenteuer am Flughafen. Von vielen deutschen Flughäfen, sowie von Wien oder Zürich gibt es direkte Verbindungen nach Neapel. Von dort aus gibt es gute Busverbindungen in die Innenstadt (Alibus). Alternativ bieten sich Taxis an. Wenn du dich für diese Variante entscheidest, solltest du allerdings bereits vor der Fahrt den Preis abklären. Ansonsten blüht dir schon bei der Ankunft am Zielort eine böse Überraschung in Form einer astronomisch hohen Taxirechnung. Ein angemessener Preis für eine Fahrt vom Flughafen in die Altstadt liegt in etwa bei 25 €. Verhandeln geht natürlich immer. Allerdings musst du damit rechnen, dass die Englischkenntnisse der Einheimischen eher dürftig sind.

Der beste Ausgangspunkt für eine ausgedehnte Stadtbesichtigung und Touren ins Umland ist die Altstadt. Viele Besitzer von großen Altstadtwohnungen vermieten ihre Räumlichkeiten schon an Touristen. Eine günstige und praktische Variante. So lebst du während deines Urlaubes wie ein richtiger Neapolitaner.

Eine Unterkunft direkt in der Altstadt ist der beste Ausgangspunkt für ausgedehnte Touren.
Alleine die Gassen machen die Stadt sehenswert!

Altstadtzauber

Im Centro Storico, wie die Altstadt bei den Einheimischen heißt, herrscht fast andauernd ein gewisser Trubel. Neben Einheimischen und Touristen wird der Stadtteil von vielen Studenten bevölkert. Zusammen machen sie die Altstadt zur der am dichtesten besiedelten in Europa. Diese ist alleine wegen ihrer schmalen Gassen und der Bauweise der Häuser einen Besuch Wert. Letztere scheinen verschachtelt direkt in die Hügel der Stadt gebaut worden zu sein. In den meisten Fällen sind sie mehrere Stockwerke hoch und naja, etwas heruntergekommen, um es freundlich auszudrücken. Auf den Balkonen hängt Wäsche, kaputte Fenster werden teilweise mit Folie abgedeckt.

Die Häuser scheinen fast in- und aufeinander gestapelt zu sein.

Die Gassen zwischen den Häusern sind schmal aber stark frequentiert. Es scheint fast so, als ob die Neapolitaner die Begegnungszone erfunden haben – Autos, Mofas, Straßenhändler und Fußgänger teilen den knappen, gepflasterten Streifen. Dazu kommen noch die Bewohner der Erdgeschosswohnungen, die die ersten paar Meter vor ihrer Haustüre quasi als Balkon nutzen. Alles in allem eine sehr unübersichtliche und chaotische Mischung. Wobei die Auto- und Mofafahrer eher auf das Recht des Stärkeren, als auf ein gemeinsames Miteinander setzten. Ein kurzes Hupen muss dir als Fußgänger Warnung genug sein und bist du dann nicht schnell genug zur Seite gehüpft, kann es dir durchaus passieren, dass ein Mofafahrer dich kurz einmal „anstupft“. Neapel ist und bleibt halt durchaus ein Abenteuer.

Aber um nocheinmal zurück auf die Balkone zu kommen: Bei einer kleinen Tour durch die Gassen der Altstadt wird dir wahrscheinlich auffallen, dass an vielen Geländern ein Eimer hängt. Wofür die gut sind? Mit der Dauer deines Aufenthaltes in der Stadt wächst deine Chance die Eimer in Action zu sehen und diese Frage zu beantworten. Die Einheimischen transportieren damit nämlich Bestellungen hinauf. So muss weder der Bote noch der Kunde Stiegen rauf und runter steigen. Es wird einfach der Eimer hinuntergelassen, befüllt und im Anschluss wieder nach oben gezogen. So einfach und bequem kann es gehen.

Die meisten Häuser sehen sehr ärmlich aus.

Pasticceria und Pizzaria

Die wichtigsten Straßen der Altstadt sind die Via Chiaia und die Via Toledo. Diese beiden Hauptachsen des innerstädtischen Lebens treffen sich am Piazza Trieste e Trento und machen den Platz zum perfekten Ausgangspunkt für deine Stadtbesichtigung.

An der Mündung der Via Chiaia befindet sich das Gran Caffé Gambrius. Es ist wohl das traditionsreichste Café der Stadt und eine echte Institution. Die Räumlichkeiten wirken herrschaftlich und im großen Saal findet man Kunstwerke der wichtigsten neapolitanischen Maler des 19. Jahrhunderts. Ein echter Tipp sind die Sfogliatelle, ein mit süßem Ricotta gefülltes Blätterteig Gebäck. Aber auch die anderen Süßspeisen, wie mit Pistazien, Vanillecreme oder Nougat gefüllte Croissants, Briochebrötchen mit Rosinen oder Babá (ein in Rum getränktes lockeres Hefegebäck) machen süchtig. Dazu genießt du am besten typisch italienischen Kaffee. Das Gran Caffé gehört allerdings nicht zu den günstigen, einen Cappuccino gibt es um 5 Euro, ein Croissant um 3 Euro. Sparen und trotzdem schlemmen kannst du, wenn du Kaffee und Süßgepäck direkt an der Theke konsumierst. Dann bezahlst du für Kaffee und Süßgebäck insgesamt nur um die 3 Euro. Diese Regel gilt übrigens für die meisten Pasticcerias (Konditorei mit Café) in Neapel. Und davon gibt es jede Menge. Fast an jeder Straßenecke lachen dich Leckereien an. Du bist nicht so ein Schleckermäulchen? Auch gut, denn für alle die es lieber pikant mögen, gibt es ja noch die berühmte Pizza Neapolitana.

Mehlspeisentraum im Gran Caffé Gambrius.
Der große Saal des Gran Caffé Gambrius ist schon alleine einen Besuch wert.
Leckeres Süßgebäck findet man in Neapel an jeder Ecke.

Die erste Pizza wurde, laut der Überlieferung, am 11. Juni 1889 in Neapel in der Pizzeria Brandi gebacken. Und zwar im Auftrag von König Umberto und seiner Frau Magherita. Belegt wurde die erste Pizza in den italienischen Nationalfarben – rote Tomaten, weißer Mozarella und grüner Basilikum. Die Königin war schwer begeistert und die Pizza begann ihren Siegeszug um die Welt. Nachdem du dich ein wenig durchgekostet hast, wirst du aber feststellen, dass es keine andere Pizzeria auf der Welt mit einer neapolitanischen Pizza aufnehmen kann.

Die Pizzeria Brandi gibt es übrigens heute noch. Sie befindet sich an der Kreuzung der Via Chiaia mit der Salita Sant’Anna di Palazzo. Vom  Piazza Trieste e Trento sind es nur wenige Minuten Fußweg und die Pizza Magherita wird dich dort heute noch so begeistern, wie die Königin vor über 100 Jahren.

Die Pizzabäcker der Pizzeria Brandi bei der Arbeit.

Wenn du es lieber ein wenig innovativer magst, solltest du die frittierte Pizza von Zia Estrina Sorbillo probieren. Die gibt es in der To-Go Variante einige Meter oberhalb des Gran Caffé Gambrius. Und egal wen du fragst, alle Einheimischen werden dir empfehlen, diese Variante zu probieren. Worauf wartest du also noch?

Bei den Einheimischen sehr beliebt: Die frittierte Pizza von Zia Estrina Sorbillo.

Mehr Meer

Ja das Meer hat einfach seinen ganz speziellen Reiz. Besonders, wenn man dem Lärm und der stickigen Luft der Innenstadt einmal entfliehen möchte. Wenn du von der Piazza Trieste e Trento Richtung Süden, an der Piazza del Plebiscito vorbeigehst, erreichst du in wenigen Minuten die Uferpromenade. Besonders am Abend tummeln sich hier die Menschen. Sie spazieren am Ufer entlang, sitzen auf den Wellenbrechern und genießen die frische Brise oder finden sich in einem der vielen Lokale an der Via Partenope ein.

An der Kreuzung der Via Nazario Sauro mit der Via Partenope führt eine Brücke übers Meer zum Castel dell’Ovo. Die trutzige Burg erinnert dich wahrscheinlich an einen Ritterfilm. Im Inneren locken Wechselausstellungen, die du bei freiem Eintritt besichtigen kannst. Aber das eigentliche Highlight ist der Blick von der Dachterasse. Der Golf von Neapel und die Stadt liegen dir gleichermaßen zu Füßen und im Osten erhebt sich der Vesuv. Besonders bei Sonnenuntergang ist der Blick auf den Vulkan magisch.

Das Castell dell´Ovo.
Immer gut gefüllt: Die Bars an der Via Partenope.
Einfach magisch sieht der Vesuv bei Sonnenuntergang aus.

Zu Füßen der Burg liegt die einstige Fischersiedlung Borgo Marinari. Heute findest du dort feine Restaurants. Empfehlenswert sind Fischgerichte. Wobei wir dann schon wieder beim Futtern wären. Das kannst du in Neapel wirklich die ganze Zeit über tun. Also wundere dich nicht, wenn du bei der Rückreise ein paar Kilo mehr auf den Rippen hast.

Leckere Fischspezialitäten gibt es in den Restaurants am Borgo Marinari.

Hinauf und Hinunter

In beide Richtungen geht es in der Via Toledo, die nördlich des Piazza Trieste e Trento beginnt. Und damit meine ich übrigens nicht das Hinauf- und Hinuntergehen der Straße. Hinauf geht es nämlich mit der Funicolari, einer Standseilbahn, zum höher gelegenen Stadtviertel Vomero. Hier ist es um einiges ruhiger als in der Altstadt. Ja die Zeit scheint fast still zu stehen. Dafür erwarten dich atemberaubende Ausblicke über die gesamte Stadt. Beispielsweise vom Castel Sant Elmo aus.

Blick vom Castel Sant Elmo über die Stadt.
Neapel von oben.

Hinunter geht es in der U-Bahn Station Toledo. Diese wurde, wie auch elf weitere Stationen der Linie 1 von berühmten Gegenwartskünstlern gestaltet. Für Fans von zeitgenössischer Kunst gibt es praktisch um den Preis eines U-Bahntickets eine Austellung der besonderen Art.

Der Straßenverkehr und andere Kuriositäten

Ich habe dir ja bereits zu Beginn des Artikels versprochen, dass Neapel allerlei Kuriositäten für seine Besucher bereithält. Eine davon ist mit Sicherheit der Straßenverkehr. Die Gassen der Altstadt sind für Fußgänger ja bekanntlich schon ein etwas gefährlicheres Pflaster. Sie sind aber noch kein Vergleich zu den stark frequentierten Hauptverkehrsachsen, wie etwa der Via Ferdinando Acton oder der Via Medina. Besonders im morgentlichen Arbeitsverkehr geht es hier mehr als nur Rund zu. Im Prinzip herrscht blanke Anarchie. Eine Ampel ist hier höchstens eine Empfehlung und ein Zebrastreifen dient wohl eher der Dekoration, als einem Fußgängerübergang. Es wird gehupt, gedrängelt und aus den Fenstern geschimpft, was das Zeug hält. Mofafahrer schieben sich durch jede noch so kleine Lücke zwischen den Autos und wechseln, wenn gar nichts mehr geht, schon mal auf den Gehweg. Wenn du hier lebst, brauchst du dir definitiv keine Gedanken darüber machen, wie du dir denn dein neues tolles Auto finanzieren sollst. Eine Schrottkiste tuts auch. Denn nach kurzer Zeit ist sowieso jedes Fahrzeug übersäht mit Kratzern, Dellen und hat mit etwas Glück noch einen Spiegel.

Als Fußgänger musst du pragmatisch sein. Am besten du machst die anderen Verkehrsteilnehmer einfach mit einem Handzeichen auf dich aufmerksam und überquerst Spur, für Spur, für Spur die Straße.

Ein weiteres Kuriosum ist Neapels Unterwelt, das Napoli SotterraneaBereits die Griechen und Römer legten 42 m unter der Erde Gänge, die als Wasserspeicher dienten. Ab den 1850er Jahren wurden die Tunnel zur Müllgrube umfunktioniert. Als man im zweiten Weltkrieg einen Luftschutzkeller benötigte, betonierte man den Müll dann einfach ein. So funktioniert Zweckrationalität auf Italienisch.

Aber auch überirdisch erwartet dich Ungewöhnliches. Beispielsweise die vielen Wandaltäre in den Gassen und an den Straßenecken. Hier wird einer Vielzahl von Heiligen gehuldigt. Grundsätzlich gilt: Je heruntergekommener die Gegend, desto gepflegter die Altäre.

Dass die Neapolitaner sehr abergläubisch sind, spiegelt sich aber auch in ihrem Faible für das Lottospielen wieder und einer ganzen Industrie, dich sich darum entwickelt hat. So gibt es unzählige Ratgeber, wie man denn nun an die richtigen Zahlen kommt und das Schicksal zu seinem Gunsten beeinflusst.

Abenddämmerung am Meer.
Fototipp zum Schluss: die Galleria Umberto 1 oberhalb des Piazza Trieste e Trento.

Tipps zum Schluss

Neapel ist nicht sicherer oder unsicherer als andere europäische Großstädte. Ein Blick auf die Kriminalitätsstatistik zeigt aber, dass Taschendiebstähle ein sehr häufiges Delikt sind. Deshalb solltest du Geld und Papiere, wenn möglich, nahe am Körper tragen und nicht deinen protzigsten Schmuck auf den Straßen spazieren führen. Gefährlich ist es auch deine Tasche straßenseitig zu tragen, denn immer wieder kommt es vor, dass vorbeifahrende Mofafahrer Passanten ihre Taschen entreißen.

Verhälst du dich also umsichtig verhälst, steht einem fabelhaften Citytrip nichts im Weg.

Infos über die Region, Unterkünfte, Events und mehr findest du bei inCampania.

Mehr zu Italien findest du noch in meinen Reiseberichten, über die Drei-Zinnen-Region, Burano und Murano und Friaul-Julisch-Venetien.

Deine Claudiabella <3

 

2 Antworten auf „Den Golf von Neapel entdecken Teil 1 – Neapel“

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